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Innerlichkeit - This Mortal Coil: Eine Anmerkung zur "Platonischen Liebe"
Innerlichkeit - This Mortal Coil
Freitag, 16. März 2007
Eine Anmerkung zur "Platonischen Liebe"
Und auch die verkehrte Ansicht von der „platonischen Liebe" sollte korrigiert werden. Platonisch lieben heißt nach allgemeiner Ansicht, im
Zusammensein mit schönen Jünglingen und Frauen die Idee des Schönen in ihrer überirdischen Reinheit und Lauterkeit zu lieben (erän) und sich jeder Art Liebe zu Fleisch, Haar und Haut zu enthalten. Platons „Ideozentrismus" zufolge bleibe die personale Liebe als blasses Abbild zurück (Viastos). Dagegen ist darauf zu achten, dass im berühmten Aufstieg zur Ideenlehre im Symposion auch die geschlechtliche Liebe eine unentbehrliche Stufe darstellt; denn hier erlernt der Adept der Liebe am ehesten die Lebensweise eines Liebenden, der über seiner Liebe zum schönen, in Ju-
gend prangenden Leib alles andere - Essen und Trinken, die Besorgungen des Alltags - vergisst und nur dem Geliebten nahe sein will. Und hier erfahren wir Sterblichen, dass jedes Zeugen und Empfangen im Schönen, auch das leibliche, eine göttliche Sache ist und dass etwas Unsterbliches im sterblichen Dasein geschieht.
Im vielschichtigen Dialog Phaidros charakterisiert Platon Liebe als Wahnsinn und Rausch (mania). Aber Mania bedeutet nicht Krankheit des Geistes, Verwirrtheit des Gemüts, die philosophisch -medizinisch zu heilen wäre, damit das Glück der Ruhe und des Friedens in die Seele einkehrt.
Erst die im Hellenismus großgezogene Haltung der Retinenz (vgl. rabiem retinere - Raserei zurückhalten) ist darauf aus, den Wahnsinn aphrodisischer Liebe zu ernüchtern. Aber Platon ist nicht Epikur oder Zenon von Kition. Er nennt die Liebenden in einem Atem mit Sängern, Sehern und Orakelkündern. Der von Gott verliehene Wahnsinn erzeugt durch die Be-
geisterung der Propheten und der von Musen inspirierten Dichter Heilvolles und Herrliches über das Maß menschlicher Verständigkeit hinaus.
Für die mania erotike ist geltend zu machen, „dass die Götter zur größten Glücksfügung (eutychia) diesen Wahnsinn eingeben" (Phdr. 245b). Die
Ekstase der Liebe ist hellsichtig. Sie erblickt, was über den Zeiten ist. Der Blick der Liebenden öffnet sich für das Geheimnis des Seins und das Wunder der Zeugung im Schönen. Die berückend-entrückende Lust der Liebe ist höchste Götterhuld (eutychia megiste). Dieses platonische Erbe sollte eine existenzielle Analyse des Glücks neu erschließen. Jedenfalls sind beide Wesenszüge des Eros, Daimonion und Mania, nicht aus ängstlicher
Sorge um besonnene Ruhe als irrationale Verzückung abzuweisen, sondern vorbehaltlos und eindringlich in unser Leben und Glücksverständnis aufzunehmen.

Zitat aus: Wolfgang Janke: Das Glück der Sterblichen, Eudämonie und Ethos, Liebe und Tod. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 2002


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