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Innerlichkeit - This Mortal Coil: Die Tiefe im Antlitz der Welt
Innerlichkeit - This Mortal Coil
Sonntag, 27. April 2008
Die Tiefe im Antlitz der Welt
Die Tiefe im Antlitz der Welt.
Vorausnotizen zum Gespräch mit Michael Klaus

Ich habe in diesem Gespräch nicht nur das Anliegen, Michaels Auffassung von Literatur, vom sprachlichen Kunstwerk her kennenzulernen, sondern möchte über zwei Aspekte unserer Gelsenkirchener Existenz sprechen:
A. Was ist die geistig-kulturelle Krisensituation der Gegenwart?
B. Welche Strategien bieten sich auf diesem Feld an, diese Krisensituation zu überwinden?
Ich benutze dabei einige Notizen, die ich mir vorab gemacht habe.
A.
Michaels Buch von 2006 „...in die weite Welt hinein“ und in „Gelsenkirchen ein Tagebuch“ einige Stellen aufgefallen.
Da heißt es: “Don’t even try to make sense of it all“ (5) oder jemand sagt auf Seite 181: „Wenn jemand versuchen sollte, dir einzureden (...), das alles einen Sinn ergibt, dann lauf zum Telefon und laß den Zwangsjackenschneider kommen...“. oder manchmal geraten Skizzen zu absurden Bildern, wie in „Gelsenkirchener Hauptmarkt“. Des weiteren begegnet einem Camus, als der Autor, „den unsere Generation gelesen hat.“


Frage, ob die Absurdität eine Rolle im Leben gespielt hat oder noch spielt, ob Du von einem sinnlosen Kosmos ausgehst?

Meine Jugend bestimmt durch die Begegnung mit Samuel Becketts Werk.

Ich habe die menschliche Wüstensituation in „Warten auf Godot“ und in anderen Beckett Werken, z.B. im „Endspiel“ in meinem hiesigen Lebensgefühl in Gelsenkirchen wiedergefunden und umgekehrt. „Endspiel“: Hamm: Die Natur hat uns vergessen.
Clov: Es gibt keine Natur mehr.
Hamm: Keine Natur mehr! Du übertreibst.
Clov: Ringsherum.
Und von Gott heißt es: „Der Lump. Er existiert nicht.“
Wüste
Die Wüste lebt in Gelsenkirchen. Überall finden wir einen Prozeß des Wachstums zarter kultureller Pflänzchen, manchmal auch schon richtige Oasen. Gleichzeitig aber geht eine Verwüstung vonstatten. Darunter verstehe ich den immer weiter vordringenden Materialismus, die Funktionalisierung, Mechanisierung und Negation menschlichen Lebens, menschlicher Wärme, menschlicher Solidarität.

Frage: Ich vermute, Michael kann mit dieser gefühlten Wüstensituation gar nichts anfangen, oder womöglich doch?


Mit Nietzsche ist zu sagen: „Die Wüste wächst, weh dem der Wüsten birgt“





Nietzsche – der Denker und Vordenker des Nihilismus
Als Nihilismus möchte ich u.a. den Untergang der Werte im 20.Jahrhundert verstanden wissen. Der Mensch z. B. wird zum Menschenmaterial und Kanonenfutter, zum bloßen Körperwesen und geistlosen Fleischhaufen.



Ausserdem schildert
Papst Benedikt XVI in seiner Antrittsrede April 2005 nihilistische Erscheinungen, wenn er feststellt:
„Es gibt vielerlei Wüsten. Es gibt die Wüsten der Armut, die Wüste des Hungers und des Durstes. Es gibt die Wüste der Verlassenheit, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe. Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen. Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind....“



Darf ich sagen, Michaels Normalmensch, soweit ich davon Kenntnis habe, ist weder gekennzeichnet von dem Gefühl der inneren oder urbanen Wüstenei noch irgendwie katastrophisch.
Es gab in meiner künstlerischen Arbeit eine lange Phase, in der ich das innere und äußere „Wasteland“ zum Thema machte und die Sinnlosigkeit des Lebens und Sterbens ins Bild rückte. Um das zu können brauchte ich das Nichts Gelsenkirchener Urbanität, die Leere der Lebenssituation am Ort.







B.
Schon 1932 schrieb Gottfried Benn den Text „Nach dem Nihilismus“:
“Haben wir noch die Kraft, so fragt sich der Verfasser, dem wissenschaftlich determinierenden Weltbild gegenüber ein Ich schöpferischer Freiheit zu behaupten, haben wir noch die Kraft, nicht aus ökonomischen Chiliasmen (Heilserwartungen) und politischen Mythologemen, sondern aus der Macht des alten abendländischen Denkens heraus die materialistisch-mechanische Formwelt zu durchstoßen und aus einer sich selbst setzenden Idealität und in einem sich selbst zügelnden Maß die Bilder tieferer Welten zu entwerfen?“ (3, 713)


Anders gefragt:
Wie kann der gedemütigte Städter, der Ruhrstädter, in diesem Environment des Nihilismus von toter Industrie und verfallender Moderne noch bestehen?


Hier im Ruhrgebiet bietet sich ein Bild an, das mit dem Bergbau zu tun hat:
In die Tiefe gehen

Zitat aus den GGs: „In die Tiefe gehen, zu den Wurzeln unserer Region vordringen, darf nicht mißverstanden werden als nostalgische Reise in die Bergbauindustrie. Zu den Wurzeln kann heissen: die Potenzen erschliessen, die unter der scheinbar heillosen Oberfläche lagern. Worin könnten diese Ressourcen bestehen? Es gibt drei Momente, die den Ruhrgebietsmenschen definieren: Herz/ Seele - Produktivität/ Arbeit - Schöpferkraft/ Kreativität. Aus diesen Wurzeln schöpft er sein Wachstum, seine Existenz, seine Zukunft. Das ist wohl einzigartig in diesem Land.



Was die Seele betrifft, so gibt es die, ich möchte unterscheiden, äußeren Bedingtheiten, die meinetwegen die Psychowissenschaften behandeln, und die inneren. Da verwende ich gern dieses Bild vom „Bergbau der Seele“. Einen „Bergbau der Seele“ betreibt man auch im Kunstschaffen und in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken überhaupt.


Kunst
Ist nicht nur „Stimulanz des Lebens“, wie Nietzsche sagt, sie ist auch der Ort, wo der Mensch die Möglichkeit hat wesentlich zu werden.

Klärung, was ein Kunstwerk auszeichnet:

(„Die Tiefe im Antlitz der Welt“ - Schrift von Wilhelm Weischedel von 1952 -)
und meint damit, dass das Kunstwerk, wenn es denn ein solches ist, eine Tiefe besitzen muß. Diese Tiefe, in der der Betrachter eintaucht, läßt ihn in die Welt des Kunstwerks aufgehen und zwar so, das er ein anderer geworden ist, wenn er in den Alltag zurückkehrt. (Befremdung, Sammlung, Abgründigkeit der Werke, Entrückung, Ver-rückung...)


Frage, gibt es im sprachlichen Kunstwerk gleichermaßen diese Tiefe, die den Menschen ver-rückt zu sich selbst, ihn auf sich selbst hin sammelt in seine Subjektivität?




Wesen der Sprache
Heidegger: Über Sprache nachdenken verlangt, auf das Sprechen der Sprache einzugehen. Im Sprechen der Sprache „verschwindet das sprechende Subjekt“ (Foucault). Daher sagt Heidegger: „die Sprache spricht“. Ich denke, in dieser schwierigen Erkenntnis schwingt die Tiefe mit, die das Sprachwerk auszeichnet.

Logik <-> Dichtung. Rechnendes Denken gegen andenkendes Denken...



Kreativität = Kunst = Kapital (Joseph Beuys)

Diskussion des Kunstbegriffs der sozialen Plastik, allerdings selbst ein Maler


(Jürgen Kramer 27.April 2008)


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