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Innerlichkeit - This Mortal Coil: Die Idylle als revolutionäres Moment
Innerlichkeit - This Mortal Coil
Sonntag, 8. Oktober 2006
Die Idylle als revolutionäres Moment
A. Ludwig Richter, Frühlingsabend, 1844
Nichts scheint heute unzeitgemässer als die Idylle. Unbehaustheit und Heimatlosigkeit ist das Lebensgefühl des modernen Menschen. Die Idylle, die auch immer rückblickend ist, gibt sich als Verkennung der Wirklichkeit und Wirklichkeitsflucht. Aber die Idylle ist auch ein Gegenbild zum Status quo auf die Zukunft hin.
Die Idylle ist stets und notwendig ein retrospektiver Entwurf, der Traum vom verlorenen Paradies des ursprünglichen, des einfachen Lebens. Das Wissen um die Tatsächlichkeit der Gegenwart provoziert geradezu den idyllischen Traum von einstiger Geborgenheit, zumal damit die Hoffnung vielfach verbunden ist, das Verlorene auf irgendeine Weise in der Zukunft wiederzugewinnen. (Rolf Wedewer in: Die Idylle, Eine Bildform im Wandel 1750 - 1930, Köln 1986, S. 21)
Die Idylle enthält daher ein starkes utopisches Moment. Mit ihren retrospektiven Gegenbildern stellt sie die Welt, wie sie hier und jetzt gegenwärtig ist infrage. Bukolische Landschaften, Schäferstündchen und Dorfidyllen sind geradezu absurd angesichts von Landschaftzersiedelung, industriellem Tagebau und Waldsterben. Aber je größer sich diese Absurdität ausnimmt, umso mehr Sprengkraft entfaltet die Utopie der Idylle. Nicht nur "schafft sich das Bewußtsein einer abhanden gekommenen natürlichen Daseinsform ... im Entwurf der Idylle die notwendige Kompensation" (Klaus Bernhard, Idylle, Köln u. Wien 1977, zit. n. ebd.). Der Schwund der menschlichen Welt erhält durch die Imagination von Idylle ein Heilmittel für die pathologische Moderne. Das Bild der "heilen Welt", die "Affirmation", ist in diesem Zusammenhang ein rebellisches Bild, das dem ganzen Kanon modernen Werteverfalls entgegensteht.
Insofern und darum ist der Traum vom idyllischen Urzustand auch ein Kulturtraum, der Vergangenheit und Zukunft aus der Gegenwart heraus in eins träumt; die Hoffnungsrichtung weist auf eine neue Kultur, da der Begriff mit der Anschauung wieder versöhnt sein möge und der Fortschritt gleichbedeutend mit einer Fundierung menschlicher Sinnerfüllung. Deshalb verweht dieser Traum nicht wie andere.(Wedewer, ebd.,24)

J.Kramer, Alles wird gut, 2004


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