Under Dekonstruktion
siehe vorläufig Leib und Seele

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Innerlichkeit - This Mortal Coil: Glauben und Wissen
Innerlichkeit - This Mortal Coil
Sonntag, 8. Oktober 2006
Wenn die Seele sterblich wäre (Jean Paul)
Der Vernichtglaube
Manche Irrtümer erscheinen, wie der Mond, aus der Ferne in
milder Gestalt und Dämmerung; tritt man aber nahe vor sie, so
zeigen sie wie der Mond vor dem Sternseher, ihre Abgründe
und Feuerberge. Tretet näher zum Glauben der Seelensterblich-
keit und sehet in seine Grüfte und Krater.
Nehmet einmal recht lebhaft an, daß wir alle nur Klangfiguren
aus Streusand sind, die ein Ton auf dem zitternden Glase zusam-
menbauet und die nachher ein Lüftchen ohne Ton vom Glase wegbläset in den leeren Raum hinein: so lohnet es der Mühe und


des Aufwandes von Leben nicht, daß es Völker und Jahrhunderte
gibt und gab. Sie werden gebildet und begraben, höher gebildet
und wieder verschüttet; aber was nützt es, daß mühsam gepflegt
Kraut nach Unkraut, Blume nach Blatt erwächst? Über den unter-
gepflügten Völkern liegt der Gottesacker; der Vergangenheit
hilft die Gegenwart nichts; und der Gegenwart die Zukunft
nicht. Ewig steigen die Wissenschaften, ewig fallen die Köpfe ab
worin sie gewesen und höhlen sich unten von allem aus. Verleiht
endlich irgendeinem Volke alles Höchste von Wissenschaft,
Kunst und Tugendbildung, womit große späte Völker alle frü-
hern überbieten und lasset Jahrtausende ihre geistige Ernten und
ihren Reichtum in die Menschenmenge von Klangfiguren nieder-
legen: in fünfzig Jahren verfliegen die Figuren und die Schätze
und nichts ist mehr da als das Dagewesensein. - Der Glanz der
Schöpfung und der Geister ist erloschen; denn es gibt keinen
Fortschritt mehr; nur Schritte; es bleiben nichts als zerstreuete
lose Wesen übrig - höchstens die vergangnen mischt die Asche
zueinander -; und alles Höhere muß sich von neuem zusammen-
bauen. Gott sieht seit Ewigkeiten nur unaufhörliche Anfänge
hinter unaufhörlichen Enden; und seine Sonne wirft ein ewiges
falbes welkes Abendrot, das nie untergeht, auf den unabsehlichen
Gottesacker, den Leichen nach Leichen ausdehnen. Gott ist ein-
sam; er lebt nur unter Sterbenden.
Man verlege und verschiebe hier die Unsterblichkeit nicht et-
wan auf Wesen über uns. Denn halten die Erden- oder Menschen-
geister das Sein nicht aus: so vermögen es die Sonnengeister
ebensowenig; denn der Unterschied des Grades, die höhere Stufe
geistiger und organischer Kräfte kann keinen Unterschied der
Art, wie der zwischen Fortdauer und Nichtsein ist, erzeugen, so
wie nicht das Kind, der Cretin sterblich sein kann, der Mann und
Sokrates aber unsterblich; - und so muß auch der Erzengel zu-
letzt am Fuße des göttlichen Throns seine Flügel abwerfen und
vergehen. Wenn nun bei diesem allgemeinen Geistersterb alle
Planeten nur als Leichenwagen der Völker um die Sonnen ziehen:
so sind alle Zwecke des Lebens und jede Lösung seiner Rätsel
durch die ungeheuere Weltensense zerhauen und verstümmelt,


und ein Chaos ist viel regelmäßiger als das Geister-All; denn im
Chaos herrscht wenigstens ein Kampf von Kräften ohne be-
stimmte Abkürzung und Durchschneidung des Erfolges und
Ausgleichens, und wenigstens der Gegenstreit erhielte sich als
sein eignes Ziel; aber im All der Geistervernichtung, des unauf-
hörlichen Aufhörens und Anfangens zum Wiederaufhören ginge
jede Regelmäßigkeit in ein altes Chaos über, in Vergleich mit
welchem ineinanderstürzende Welten nur chemische Prozesse
lieferten. Unser Leben verdankt den dürftigen Schein seiner Länge bloß
dem Umstande, daß wir in die gegenwärtige Zeit die vergangne
hineinrechnen; aber es kriecht zum spitzen Augenblick ein, wenn
man es neben die unermeßliche Zukunft stellt, die mit einem brei-
ten Strom auf uns zufließt, von dem aber jeder Tropfe versiegt,
der uns berührt; ein Leben zwischen den beiden zusammensto-
ßenden Ewigkeit-Meeren, die einander weder vergrößern, noch
verkleinern können.
Denke dir nun, wir würden anstatt sechzig Jahre bloß sechzig
Sekunden alt — und eigentlich werden wir vor dem Angesicht der
grenzenlosen Ewigkeit nicht älter, ja nicht einmal so bejahrt -
was ist daran gelegen, was ein solches Einminutenwesen eine
halbe Minute lang denkt, begehrt, bezweckt, um seine Saat und
Ernte wieder auf ein anderes Einminutenwesen zu vererben und
fortzupflanzen? Was hat die Aufklärung und das Leuchten eines
Sekundenvolks, d. h. einer Staubsammlung von Geigenharz-
pulver für Wert, das so lange blitzt und glänzt, als es durch die
Flamme des Lebens geblasen wird? - Und kann die tote
Neben-Unsterblichkeit von Bibliotheken und Kunstwerken, wel-
che sich in dem verfliegenden abbrennenden Hexenmehl auf-
hält und widerscheint, ein Leben erwärmen und beseelen, das
einem ewigen Erlöschen - oft schon vor seinen durchlebten und
zurückgelegten Sekunden - bloßsteht? Verliehe das immerwäh-
rende Hineinmischen und Eindrängen der aufblühenden Genera-
tion in die abwelkende nicht der letzten einen festen Schein von
Bestand und Fortdauer, als ob sie ein Elektrizitätträger der
Wissenschaften wäre; sondern fiele jede Generation allzeit mit


der verjüngenden unvermengt als ein Ephemerenschwarm ge-
storben nieder aus den Abendstrahlen ins Wasser: so würde uns
alles Leuchten und Glänzen der Völker nur das verschwindende
von Johanniswürmchen, die ihren kleinen Bogen durch die Nacht
auf die Erde ziehen, erscheinen. — Und so muß jeder Einzelne
mitten in seinem Anlaut und Auffluge zu fremder und eigner Ver-
edlung ermatten durch den Gedanken, daß irgendein Wind-
stoß einer Wunde auf einmal den Grabstein als Fallgatter auf alle
Aufstrebungen niederwerfe.
Und gehen wir von den sterbenden Völkern zu sterbenden
Einzelwesen über: so schmerzt es die Seele, nur auf einen Augen-
blick sich ein Lieben zwischen Vergehenden und Vergehenden
ganz auszumalen. Aus dem langen Nichts erwachen ein paar
Menschen in ihren Sterbebetten und blicken aus ihnen einander
mit Augen voll inniger Liebe an und schließen dann die Augen
wieder zu sogleich nach einigen Minuten zum ewigen Nichts; -
dies ist nun die unvergängliche Liebe der Menschen unterein-
ander, der Eltern, der Kinder, der Gatten, der Freunde. Ohne
Unsterblichkeit kann niemand sagen: ich liebte; du kannst nur
seufzen und sagen: ich wollte lieben. Das Herz steht einsam auf
der Erde; bis es endlich in der Sarah-Wüste unter ihr nicht mehr
einsam ist, sondern selber nichts. Es kann nicht einmal betrauern
und beweinen; denn der Schatten dazu, der einen Augenblick
warm und gefärbt dastand, ist nicht kühl und dunkel geworden,
sondern unsichtbar in der weiten unsichtbaren Nacht; auch das
bißchen Warm und Rot, was du dein liebendes Herz nennst, wird'
vielleicht im Augenblick, wo es noch beweint, auch zur unsicht-
baren unfühlbaren Nacht, nicht ein Teil von ihr, (denn sie hat
keinen) sondern eine Nacht selber. -
Weinender, nimm dem Beweinten'keine Locke und kein Denk-
mal ab und richt' ihm keines auf; es wäre das Denkmal von einem
Nichts und jede Reliquie wäre lebendiger als der Vergangne, der
nicht einmal selber eine mehr sein kann. —Lieben fodert Leben;
aber die Geistersterblichkeit vernichtet mit dem fortgesetzten
Leben sogar ein anfangendes, und kein Herz bleibt der Liebe
lebendig - überall geht durch die Welt und das All nur hölzerne


Instrumentalbegleitung, keine lebendige Singmusik - und alles
Leben und Herz ist Schein und Maschine und sargt sich schon
über der Erde stehend ein.
Aber was ist denn die Erde, das leblose All ? Eine schimmernde
Antiparos-Höhle, gefüllt mit allen Widerscheinen des Lebens;
auf dem Boden der Höhle stehen Wäldchen mit hohen Stämmen
von durchsichtigem Kristall und der Pfad schlängelt sich durch
kristallenes Gesträuch - und von oben hangen herrliche Frucht-
und Blumenschnüre starr und kalt herab und jeder Hügel der
Höhle ist von Kristall begraset. Das Kristallisationwasser, wel-
ches das Gebilde zusammenhält, ist die Träne eines Augenblicks;
ist diese versiegt, so ist das Gebilde zerfallen.
0 tretet schnell aus der Höhle der schimmernden Erstarrung
und blickt wieder über die lebendige Breite der grünen Welt hin-
über und atmet frischer! -
Wie die Leere eines Unglaubens an Unsterblichkeit nicht
schmerzlich genug empfunden wird: so wird auch die Fülle des
Glaubens daran nicht recht gemessen; und wenn dort der eine
Mensch nicht zum offnen Abgrund und Grabe niederschaut, so
blickt der andere nicht tief genug in den offnen Himmel hinein;
die alltägliche Ebene der Erde, die Mitte des Lebens erhält die
Blicke im Schwanken. Es ist, als hätten die Menschen gar nicht
den Mut, sich recht lebhaft als unsterblich zu denken: sonst ge-
nössen sie einen ändern Himmel auf Erden als sie haben, nämlich
den echten - die Umarmung von lauter Geliebten, die ewig an
ihrem Herzen bleiben und wachsen — die leichtere Ertragung der
Erdenwunden, die sich wie an Göttern ohne Töten schließen -
das frohere Anschauen des Alters und des Todes, als des Abend-
rotes und des Mondscheins des nächsten Morgenlichts - Die
Gottheit bleibt durch die Ewigkeiten hindurch vor dir stehen, denn
dein Auge verweset nicht - das blitzende Sternengezelt ist nicht
mehr ein gesticktes Bahrtuch über deinem Geiste, denn er wird
nicht begraben, sondern er durchzieht ewig das unermeßliche
Sternenlager - die Wissenschaften vermehren sich ihm wie die
Sonnen, je weiter er in ihren Himmel dringt - Und alle Mühselig-
keiten des Lebens sind die unter dem Ersteigen eines Ätna, um


dessen Krater Meere und Italien liegen - Und der alte, von den
wiederkäuten Neuigkeiten der Erde übersättigte Mensch geht
und stirbt neuen Wundern entgegen - Alles Gute und Kostbare,
was ich in fremde Seelen pflanze, findet seinen späten reifenden
Himmelstrich und auch meine findet den ihrigen. -
Zwar ein matter lauer Nachschein aller dieser Wirkungen des
Unsterblichkeit-Glaubens wird gewöhnlich gefühlt und zuge-
standen ; aber wie verschwindet er gegen das Feuer der lebendigen
Anschauung der Fortdauer! - Was dieses himmlische Feuer halb
erstickt, mag ich gar nicht näher betrachten, da es vorzüglich zwei
Erbärmlichkeiten des Lebens tun; wovon die erste ist, daß der
begrabne Körper die Phantasie so sehr hinabzieht und drückt,
daß sie den Geist gar nicht lebendig wieder aus dem Sarge brin-
gen kann, sondern unten eingesperrt lässet. Die zweite Erbärm-
lichkeit ist die hergeerbte tausendjährige Enge der theologischen
An- und Aussichten; durch welche das Bestimmte und Lebendige
unserer Sehnsucht sich in Unbestimmtes und doch Einengendes
jüdisch-christlicher Lehre verwandelt. Der philosophischen Sy-
steme gedenk' ich nicht einmal, vor deren Atem schon das jetzige
sichtbare Leben einschrumpft, geschweige das künftige Unsicht-
bare.
Selig ist, wer wie ich jetzo — nicht wie ich sonst, als ich noch
die Ferne der Geisterwelt in umgekehrter Täuschung der Luft-
spieglung erblickte und das lebendige erquickende Wasserreich
für Wüstensand ansah - sich seine Welt ganz mit der zweiten
organisch verbunden und durchdrungen hat: die Wüste des
Lebens zeigt ihm über den heißen Sandkörnern des Tags die küh-
lenden Sterne größer und blitzender jede Nacht. - -
Jean Paul, Selina - oder über die Unsterblichkeit der Seele, Werke, München Wien 1975, Bd. 12, 1105 ff

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Montag, 18. September 2006
Antwort an all diese Gottlosen
die schwere Herzen nicht kennen
keinen Schatten folgen im
menschlichen Abseits sagt man
an IHN vielmehr ein Stoßgebet
gen Himmel das unterscheidet
vom Orient Gott ist Person während
ich den Tau aus den Haaren wische
tausche ich das Pflänzchen mit gelben Blüten
-das die Atheisten leise widerlegt -
als Pfand für Erlösung
gegen den Atem des Nichts
da hat ER das Grün gepflanzt
jedes blutende Herz nun
steht unstill
Gott zuliebe
so sei es

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Sonntag, 17. September 2006
Das Gehirn
"Glauben Sie mir: im Menschen ist ein großer Verrat: das Gehirn.Wir sind alle intellektualistisch verdorben. Nein - ein Mensch kommt: hart und feurig! Hauptsache, dass das Blut in unserer Brust brennt!" (Jürgen von der Wense, An E. Erdmann)

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Samstag, 16. September 2006
Was ist Vernunft?
Über den Begriff der Vernunft sind ganze wissenschaftliche Hauptwerke entstanden. Das Thema ist sicherlich unerschöpflich. Da mit dem Regensburger
Vortrag unseres Papstes Benedikt XVI. der Begriff der Vernunft im Zusammenhang mit dem Gottesbegriff und im Kontrast zum Islam genannt wurde und zweitens, die Diskussion um aufklärerische Klassik und spekulative Romantik die Unterscheidungen von Verstand und Vernunft gemacht wurden, deshalb soll an dieser Stelle zu einer Auseinandersetzung mit dem Vernunftbegriff angeregt werden. Als erster Hinweis ein nicht zeitgemässer Lexikonartikel aus dem "Wörterbuch der philosophischen Begriffe" von Johannes Hoffmeister, Hamburg 1955²:

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Mittwoch, 6. September 2006
Diskussionen noch im Gange (Aktualisierung)
!.
Hermeneutik, Speculation und Besinnung
Diese Diskussion hier ist noch nicht beendet und wird fortgesetzt
2.
Rationalität, Klassik und Romantik
Dieses Thema hier, diskutiert mit Herrn beguin thebeguine, ist auch noch nicht abgeschlossen Dazu kommt allerdings die Ergänzung "Gespräch mit einer Schublade" (Zitat A.W. Schlegel) hier

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Samstag, 2. September 2006
Der fromme Sonntagsphilosophist

Speculation der Verschiedenheit

Wir sind von Gott, der eins ist, in mannigfaltige Verschiedenheit geschickt.
Des Menschen Mögliches ist von daher unbegrenzt.
Die Welt ist nicht, was der Fall ist.
Alle Kontingenz hat ein Eines zum Ziel, die Stiftung von vollkommener Einzigkeit.
Der Riß im Dasein, das sich Widersprechende im existentiellen Sosein, das Disparate ist Antrieb und Energie der Sterblichen - gleichsam ihr Atem.
Im Tod erst wird der Riß des Ichs aufgehoben, um das Zentrum des Menschen freizugeben.
Die Seele wird zur einzigartigen freien Wesensheit.
Der andere Teil des einst Lebendigen, tote Fracht, die Schlacke metamorphiert ins ursprünglich Tellurische. In Thomas Manns "Zauberberg" wird sinnigerweise das Grab mit einem alchymistischen Gefäß gleichgesetzt.
So generiert die Zweiheit des Werdens jeweils zu einer ontischen Einheit von Gottesnähe und -ferne.
q.e.d.

gez. Karl Kepler, 2. Buchhalter der Fa. Grimaud

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Hermeneutik und Spekulation
sind mir sehr wichtige methodische Haltungen. Die Spekulation kam bisher hinsichtlich des Themas (?) "Innerlichkeit" zu kurz. Das soll sich ändern.
Wilhelm Dilthey (1833-1911):Als spezifische Methode der Geisteswissenschaft beschrieb er das auf »inneres Erleben« zurückgehende »geistige Verstehen« im Rahmen einer als Hermeneutik bezeichneten Kunst der wissenschaftlichen Deutung (nur was der Geist geschaffen hat, versteht er)
"Spekulation (lat. speculatio) S. 587f. Siehe auch bei Eisler
eigentlich Betrachtung oder Anschauung, bezeichnet die Erforschung eines die gemeine Erfahrung übersteigenden Erkenntnisinhaltes. Je nach ihrem Standpunkte verstehen die Philosophen unter spekulativem Wissen und spekulativer Methode etwas anderes.

Die Neuplatoniker und Schelling (1775-1831) denken sich darunter ein von dem reflektierenden Denken unabhängiges geistiges Schauen überirdischer Dinge."[ siehe hier bei Kirchner und Eisler ]
"Spekulation (speculatio, theôria) S. 3181 Siehe auch bei Kirchner
Betrachtung, Anschauung, geistiges, denkendes Schauen, schauendes Denken, sei es das mystische, phantasiemäßige Betrachten des anscheinend in der Innenwelt sich manifestierenden Übersinnlichen, oder sei es die philosophische (durch »Geistesblick«) die Wesenheiten der Dinge konzipierende und begrifflich konstruierende, zugleich mit logischer Phantasie die Erfahrungsinhalte zur Einheit eines Gedankensystems verknüpfende Geistestätigkeit. Alles Denken, welches aus ihren Prinzipien die Tatsachen der Welt und des Geistes zu begreifen, abzuleiten sucht, welches Einheit und Zusammenhang in den Komplex der Dinge bringen will, ist spekulativ. Im engeren Sinne ist die metaphysische Spekulation das Forschen nach dem Überempirischen.

Als theôria, intuitives Erkennen (auch der Gottheit eigen) tritt der Begriff der Spekulation bei ARISTOTELES auf (Met. VI 1, 1025 b 18. IX 8, 1050 a 10. De an. II 1, 412 a 11). vgl. Dialektik: Plato, als intellektuale Anschauung bei den Neuplatonikern und vielen Mystikern."

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Montag, 28. August 2006
"Der romantiker kommt insofern nicht ohne klassiker aus (und umgekehrt), als er sich sonst gar nicht wahrnehmen könnte."(Herr beguinthebeguine)
Wenn hier vom Widerspruch zwischen "Klassik" (eigentlich Vernunft, Verstand und Aufklärung) und der Romantik (eigentlich Gefühl, Empfindung, Intuition und Glaube) gesprochen wird, dann steht das Bild des Menschen zur Diskussion, das versteht sich von selbst, und mit ihm verhandelt man das Bild der Welt. Ich plädiere hier nicht für das Sowohl-als-auch (wie Sie, Herr beguin...)und dem Entweder-oder, sondern für die Setzung von Prioritäten, in meinem Fall "Empfindung geht über Verstand".

Der erste, der die Maximen der Aufklärung ankratzte und leise Zweifel sähte, war David Hume. Hume fragte sich, "wie er denn wissen könne, dass es überhaupt eine äußere Welt gibt, (und er kam) zu dem Schluß, dass er diese nicht logisch herleiten könne: Es gibt keine Möglichkeit, logisch zu beweisen, dass Tische existieren. Es lässt sich nicht beweisen, dass ich in diesem Augenblick ein Ei esse oder ein Glas Wasser trinke. In der Geometrie lässt sich etwas beweisen. (...) Ich kann jedoch nicht mit mathematischer Sicherheit beweisen, dass irgendetwas existiert. (...) Folglich muss ich die Welt als eine Glaubenssache akzeptieren, auf Treu und Glauben." (Isaiah Berlin, Die Wurzeln der Romantik, Berlin 2004, S. 73)

Der erste, der der Aufklärung den entscheidenden Schlag versetzte und die Romantik ins Rollen brachte, war Johann Georg Hamann. Ich darf noch einmal Berlin zitieren, wobei anzumerken ist, dass die Auseinandersetzung zwischen Aufklärung und Romantik im wesentlichen eine Auseinandersetzung zwischen Franzosen - meist Adlige - und Deutschen war - die meistens aus bescheidenen Verhältnissen kamen. Berlin: "Die Franzosen hielten sich an die allgemeinen Aussagen der Wissenschaften, die aber niemals die tatsächliche und pulsierende Wirklichkeit des Lebens zu erfassen vermögen. (...)" Was die analytische Wissenschaft insgesamt mit ihrem Vorsatz der Zergliederung des Untersuchungsgegenstandes betrifft, erkannte Hamann, "dass es einen Lebensfluss gibt, der durch den Versuch, ihn in einzelne Segmente zu zerteilen, versiegt" (vgl. Bergson). Die Naturwissenschaften können über das Phänomen des Lebendigen keine erhellende Auskunft geben, weil ihre Methoden den Untersuchungsgegenstand abtöten.

Soweit eine erste Stellungnahme, Herr beguinthebeguine; wahrnehmen und wahrhaft sehen, welches mit dem Herzen geschieht, sind anscheinend zwei verschiedene Paar Schuhe, die nicht von ein- und derselben Person getragen werden können. Klassik und Romantik sind zwar nach ihren historischen Vätern sehr gut genießbar, wer allerdings heute eine Orientierung sucht, der wird diese im Zeitalter der Wissenschaft und Technik, nur in einer (subversiven) romantischen Grundhaltung finden. Dennoch macht es mir - um persönlich zu werden - großen Spaß mathematische Rätsel zu lösen...

Das Herz steht am Steuerrad, der Verstand ist der Rudersklave, das Schiff heißt Zukunft. Aber ein Schiff dagegen mit zwei Kapitänen würde sich nicht von der Stelle bewegen.

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Samstag, 19. August 2006
Tarot - 2.Teil
Marseiller Tarot
Das "Marseiller Tarot" ist bis zum 16. Jahrhundert zurückverfolgbar. Manche halten die Bildideen für sehr viel älter.
Der ganze Reichtum des Tarotspiels ist in den 22 Hauptkarten, genannt "Große Arcana" enthalten. Ich will hier keinen Zeigefinger-Eintrag erstellen und das Tarot (auch "der" Tarot) in allen Einzelheiten erklären. Erste Erklärungen gibt auch Wiki. Es gibt die verschiedensten Deutungsversuche der 78 Karten.
Erste Annäherung
Die 22 "Großen Arcana" sind Welt-, Lebens- und Menschenbilder. Wer richtig sehen kann, erkennt in den einzelnen Karten Weisheiten zu Welt-Leben-Mensch. Z.B. die Bedeutung der Karte

The Death

(oben rechts).
Der Tod mit der Sense geht über den Acker des Lebens. Links unten ein Kinderkopf, rechts unten ein Kopf eines Königs, zwischen den Gliedmassen das Pflanzenreich. Dies ist keine negative Karte. Wie sorgfältig jedes Detail gelesen werden muß, zeigen Details wie z.B. die Anzahl der Skelettrippen. Ich sag das jetzt einfach mal so: Diese Karte symbolisiert

schmerzhafte Verwandlung

(des Ich). Das Skelett ist das "mineralische" (Kalk) Ich, Köpfe und Gliedmassen im irdischen Bereich sind das erdgebundene fleischliche Ich. Die Sense subtrahiert, löscht aus, um was freizusetzen?: das spirituelle Ich! das präsent ist im Sehen und Verstehen ebendiesen geistigen Gehalt der Spielkarte. Genug, wer's glaubt, wird selig!

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Sonntag, 13. August 2006
Papstinterview
http://www.kath.net/detail.php?id=14435

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Letzte Aktualisierung: Fr, 26. Okt, 14:45
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by rabe489 (Fr, 26. Okt, 14:45)
Zukunft
Zukunft
by rabe489 (Mi, 17. Okt, 20:25)
1.Mai 2012_3
...
by rabe489 (Di, 1. Mai, 16:38)
1.Mai2012_2
..
by rabe489 (Di, 1. Mai, 16:37)
Glut
http://rabe500.lima-city.de/
by rabe489 (Mo, 23. Apr, 23:33)

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